Montag, 01.12.2008

80 Jahre SPD – Hubertus Heil ehrt Hermann Stief für eine außergewöhnliche Mitgliedschaft

Es war ein bedeutsamer Moment für die lippische SPD, der am vergangenen Samstag zahlreiche Genossinnen, Genossen, Gäste und politische Prominenz in die historischen Mauern des Braker Schlosses lockte.

Mit diesem Ausspruch zu Beginn seiner Rede hat Dirk Becker, Bundestagsabgeordneter der SPD, die Prägnanz des Ereignisses pointiert, denn was kann es für eine Partei Schöneres geben, als ein Mitglied für eine 80-jährige Mitgliedschaft ehren zu dürfen?

1928 ist Hermann Stief in die SPD eingetreten, ein Jahrzehnt nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs, als große sozialdemokratische Ideen und Ideale die Weimarer Republik durchströmten. Sein leidenschaftliches Engagement ist jedoch nicht folgenlos geblieben. Hermann Stiefs Widerstand gegen die braune Diktatur in einer Untergrundorganisation ist aufgeflogen, schwere Folter und Jahre im Zuchthaus folgten. Aber sein Idealismus konnte nicht gebrochen werden - kurz nach Kriegsende wanderte das lange Zeit verbotene Parteibuch wieder in Stiefs Besitz. In diesem Lebensabschnitt führte ihn sein Weg ins Lippische, wo er 1946 zum Kreisjugendpfleger berufen wurde. Die Burg Sternberg wurde so nicht nur zu Stiefs Arbeitsplatz, sondern zu einem Ort der Begegnung und des Fortschritts: Organisationen von den Falken bis zu den Gewerkschaften versammelten sich um Hermann Stief, Ziel war immer die Jugendarbeit, die für den Jubilaren einen entscheidenden Teil seines Lebens ausmachte, gleich hinter der Familie und der Partei. Der Tatsache, dass die SPD auf der Prioritätenliste noch vor der Arbeit steht, ist Hubertus Heil, Generalsekretär der SPD, nicht ohne Augenzwinkern analytisch auf den Grund gegangen. Demnach sind es in Anlehnung an Max Weber die Verantwortung, die Leidenschaft und das Augenmaß, die nicht nur gute Politik, sondern auch das Wirken von Hermann Stief maßgeblich bestimmten. Als Teil einer Partei, die sich seit 145 Jahren für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität einsetzt, hat Hermann Stief nicht nur die Weimarer Republik mitaufgebaut und den Nationalsozialismus bekämpft, sondern in seiner beruflichen Tätigkeit junge Menschen im Sinne seiner Ideale auf einen guten Lebensweg geführt.

Letztlich waren es nicht die 80 Jahre in einer Partei, die die Ehrung im festlich geschmückten Saal, umgeben von Flötenmusik und Arbeiterliedern bestimmten, es war das Lebenswerk von Hermann Stief, das ohne die Sozialdemokratie aber so nicht existieren würde. Denn eines ist an diesem Abend an niemandem vorbeigegangen: Hermann Stief und die SPD, die beiden gehören einfach zusammen.

weiter zu den Fotos des Abends...

Bericht von Martin Behrens in der Frankfurter Rundschau hier als PDF-Download

Angebote zum Artikel