Freitag, 18.06.2010

Afghanistan- ISAF und Wiederaufbau

Ein mehrschichtiger Abend im OV Lemgo

„Nur ein klarer Strategiewechsel kann die Sicherheit unserer Soldaten in Afghanistan erhöhen und dem Land eine Entwicklungschance geben. Wir alle müssten das von unseren Politikern fordern.“ Das war das Fazit von Rolf Eickmeier am Ende einer engagierten Diskussion mit 50 Gästen im „Haus am Wall“. Der SPD-Ortsverein Lemgo und der Arbeitskreis „Jugend und Politik“ hatten zu einem Informations- und Diskussionsabend zu der Frage „Weiter junge Leute nach Afghanistan?“ eingeladen.
Über die extrem schwierigen geografischen, klimatischen, aber auch sozialen Verhältnisse in Afghanistan berichtete Herbert Sahlmann (Bonn), der für die Bundesregierung zeitweise für die vier Nordostprovinzen zuständig gewesen war. Durch viele Fakten, aber auch durch die Schilderung vieler Erlebnisse konnte er deutlich machen, dass es unmöglich ist, den Konflikt mit militärischen Mitteln zu lösen. Herbert Sahlmann forderte einen dringenden Strategiewechsel mit der deutlichen Verstärkung des zivilen Aufbaus. Der Vorrang des militärischen Denkens verschärfe die Lage ständig und führe in einen regelrechten Teufelskreis mit der immer stärkeren Gefährdung der deutschen Soldaten in Afghanistan.
Thorsten Engelhardt konnte die Beschreibungen durch die Beobachtungen auf einer Journalistenreise nach Afghanistan ergänzen. Er hob hervor, dass die Ausbildung des einheimischen Militärs und der Polizei viel intensiver durchgeführt werden müssten. Es könne nicht sein, dass ein afghanischer Polizist mit seinem Lohn noch nicht einmal seine Familie ernähren könne. Der Korruption sei so Tür und Tor geöffnet. Er beschrieb die extrem schwierige Lage für deutsche Soldaten, die rein äußerlich Freund und Feind nicht auseinanderhalten könnten. „Wir müssen unseren Soldaten bei diesem Mandat viel mehr Verständnis entgegen bringen“, forderte Thorsten Engelhardt.
Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass das militärische Engagement in Afghanistan sicher noch länger andauern werde. Im Frühjahr 2011 werden auch wieder Soldaten aus Augustdorf nach Afghanistan entsandt, wie anwesende Soldaten berichteten. Umso wichtiger sei ein Umsteuern des Einsatzes mit der Verlagerung des Schwerpunktes auf zivile Projekte, die von den Einheimischen gewollt und unterstützt werden, forderte Herbert Sahlmann.
Die stellvertretende Vorsitzende des SPD Ortsvereins Renate Bauer und Rolf Eickmeier kündigten an, dass der begonnene Erfahrungs- und Meinungsaustausch fortgesetzt werden solle. Der SPD-Ortsverein wird die Diskussionsergebnisse an die Bundestagsabgeordneten und die Parteiführung weiterleiten.

Angebote zum Artikel