Anfrage „Kinderarmut“ zur nächsten Hauptausschussitzung
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Austermann,
was ist schlimmer, als wenn die Kinder ausgegrenzt werden, weil die Eltern kein Geld haben?
Egal ob verschuldet oder unverschuldet!
Einerseits freuen wir uns über eine boomende Wirtschaft, zurückgehende Arbeitslosenzahlen und steigende Steuereinnahmen – andererseits leben immer mehr Kinder in Deutschland in Armut.
Laut Kinderreport 2007 lebt jedes 6. Kind bei uns in Armut – Tendenz steigend. Der Lemgoer Kinderschutzbund machte kürzlich mit 950 blauen Fähnchen, eines für jedes Lemgoer Kind in Armut, medienwirksam darauf aufmerksam.
Auch die Lemgoer Tafel registriert mehr Abnehmer für „alte Lebensmittel“ als angelieferte Waren. Dass Armut bei uns ein Thema ist, zeigt auch die Debatte über Zuschüsse zum Mittagessen in den Lemgoer Schulen.
Gerade Kinder in Armut werden ausgegrenzt, haben schlechtere Chancen beim Zugang zur Bildung und leben ungesund.
Vor dem Hintergrund von allein 32 000 im Sommer 2007 eingeschulten Kindern (Sozialbericht NRW), deren Familien von Hartz IV leben müssen, sprach Landessozialminister Karl Josef Laumann kürzlich bei einer Regionalkonferenz in Detmold von „einer tickenden sozialen Zeitbombe, die man nicht weiter ticken lassen dürfe“.
Lebensgefährlich kann es für arme Familien werden, wie kürzlich in Höxter festgestellt, wenn die Behörden trotz Kälte einfach den Strom abstellen und 3 Kinder nur zufällig der tödlichen CO ² Vergiftung entgehen, nachdem der Vater ein Diesel-Aggregat in der Wohnung aufgestellt hatte.
Das Deutsche Kinderhilfswerk schreibt zum Kinderreport 2007 insgesamt 5 Lösungsansätze fest, die zumindest bei den Zielen
- gesundes Leben,
- Integration der Migrantenkinder und
- gleiche Zugangschancen zur Bildung
auch vor Ort nachhaltiges Handeln einfordern. Dabei ist ausdrücklich anzuerkennen, dass mit Zuschüssen zu dem Schulessen, dem Stadtteiltreff, Weihnachtspäckchen u.a. den Problemen in Teilbereichen seit einiger Zeit entgegen gewirkt wird.
Aber trotz bisheriger Bemühungen hat sich die Kinderarmut in 10-Jahres-Schritten immer wieder verdoppelt und ist aktuell größer denn je.
Fragen:
- Der Lemgoer Kinderschutzbund hat die Zahl armer Kinder in Lemgo mit 950 benannt; welche konkrete Zahl von Kindern in Armut in Lemgo liegt der Verwaltung vor?
- Gibt es zur Befassung mit den kurzfristigen und langfristigen Auswirkungen von Kinderarmut vor Ort bereits eine Zusammenarbeit/Vernetzung von Sozialamt, Jugendamt (Verwaltung Stadt Lemgo), ARGE, Kreis Lippe und ggffs. anderen Behörden?
- Was gedenkt die Verwaltung gegen die Auswirkungen von Kinderarmut in Lemgo zu unternehmen?
- Ist, ähnlich der Detmolder Regionalkoferenz, auch bei uns ein Symposium o.ä. mit lokalen Organisationen, Ämtern und Verbänden denkbar, um wissenschaftliche Erkenntnisse, Handlungsempfehlungen und die konkrete Situation vor Ort zu diskutieren und für Lemgo ein Netzwerk und Ziele zu besprechen, wie es der Sozialminister in Detmold empfohlen hat?
Für die Beantwortung der Fragen im nächsten Haupt- und Finanzausschuss bedanken wir uns für die SPD Fraktion.

