Benzin für 60 Cent - Stadtwerke stärken statt verkaufen
Ein volles Haus bescherte der Energie Manager des Jahres 2003, Dr. Dieter Attig der Lemgoer SPD mit dem Vortrag „Strategien von Stadtwerken“.
Im Rahmen der Lemgoer Stadtgespräche stellte der Vorstandsvorsitzende aus Aachen, vor einigen Jahren noch an der Spitze des Lemgoer Energieunternehmens, am Dienstagabend im Kastanienhaus vor knapp 70 Gästen deutliche Marktchancen heraus.
Seine These: Stadtwerke stärken statt verkaufen.
Stadtwerke sollten in großen Konzernen aufgehen – das war die Prognose in der Liberalisierung des Strommarktes 1999. Selbst Wesertal wurde verkauft. Dennoch habe etwa 1000 Stadtwerke in der Republik die Verkaufswelle überlebt und verdienen heute sehr gut. Der Veränderungsdruck hat bei den früher von kommunaler Verwaltung geprägten Werken in wenigen Jahren zu schlanken Strukturen und einer hundertprozentigen Orientierung an der freien Wirtschaft geführt. Diese erfolgreiche Modernisierung sichert die Stellung am Markt, damit auch die Arbeitsplätze vor Ort und beschert der Kommune Gewinne ( RWE in 2003 plus 20 % Gewinn). Dr. Attig empfiehlt aber mehr, um auch zukünftig am Markt bestehen zu können: Enge Zusammenarbeit mit anderen Stadtwerken in der Region, um beim Stromeinkauf als Großkunde günstigere Bedingungen auszuhandeln. Die Standartaufgaben Abrechnung, Personalverwaltung, Bereitschaftsdienste gemeinsam über Stadtgrenzen hinweg günstiger erledigen. Auch die Übernahme städtischer Leistungen unter das Dach des betriebswirtschaftlich geführten Unternehmens Stadtwerke sind wünschenswert.
Die Stadt Oerlinghausen hält ihre Wasser und Abwassergebühren seit 10 Jahren konstant niedrig, weil Kanalnetz, Kläranlagen u.a. von dem städtischen Energieunternehmen und nicht von der Stadtverwaltung betreut werden. Gleiches wäre für Bauhof-Leistungen und ein gemeinsames Kundenzentrum mit der Stadt denkbar. In eine Strom-Einkaufsgesellschaft (Trianel), die ausschließlich kommunale Stadtwerke und keine Konzerne bedient, haben sich mittlerweile auch Lemgo und Detmold eingekauft. Der nächste Schritt wäre die Teilhabe in einer Vertriebsgesellschaft für Energie (Enetko), die Ladenketten oder Betriebe mit mehreren Firmensitzen betreut. Damit haben kleine Stadtwerke Gelegenheit Fillialen und Tochterfirmen ihrer Kunden vor Ort auch außerhalb des eigenen Standorts zu betreuen.
Angesichts bald versiegender Ölquellen haben die Stadtwerke Aachen und die Technische Hochschule eine Raffinerie zur Herstellung von Benzin aus Biomasse (Holz, Rasenschnitt, Laub) entwickelt. In der Versuchsphase liegt der Herstellungspreis pro Liter schon jetzt bei 60 Cent. Im Anschluß an die Versuchsphase wird das erste Benzin-Werk in Ostdeutschland gebaut – die Chinesen sind aufgrund ihres rapiden Wirtschaftswachstums und starkem Energiebedarfs bei diesem innovativen Projekt in Aachen auch am Ball. Udo Golabeck: „Wir haben den Energie-Manager des Jahres bewusst nach Lemgo geholt um Strategien vorzustellen, die andernorts erfolgreich sind. Wir wollen unsere Stadtwerke durch Vernetzung und Übertragung neuer Aufgaben aus der Stadtverwaltung heraus stärken! Dies Ziel verfolgen wir weiter, damit bleiben die Stadtwerke Garant für Kundennähe, Arbeitsplätzen und Wertschöpfung vor Ort.“

