Mittwoch, 09.11.2005

Karstadt – oder wie es weitergehen soll?

Seit Jahren häufen sich die Gerüchte um eine mögliche Aufgabe der Karstadtfiliale in Lemgo. Die Gründe solcher Spekulationen und die gegenwärtige Lage des Hauses wurden auf der monatlichen Versammlung des SPD-Ortsvereins am 24. August 2005 ausführlich diskutiert.

Als Referentinnen waren hierzu die Vorsitzende des Betriebsrates Frau Neubacher und ihre Stellvertreterin Frau Gerunde eingeladen, die sowohl über die wirtschaftliche Situation der Karstadt-Quelle AG innerhalb der vergangenen Jahre als auch über die geplante Neustrukturierung informierten. Erst im vergangenen Jahr wären die Mitarbeiter über die Brisanz der finanziellen Situation aufgeklärt worden, so Frau Neubacher. Das Unternehmen habe kurz vor der Insolvenz gestanden, was die Mitarbeiter in einen Schockzustand versetzt habe.

Nach einem Sanierungsvertrag zwischen Gewerkschaft und dem Arbeitgeber Karstadt Quelle AG lag es nun unter anderem auch an den Arbeitnehmern, einen Beitrag zur Sanierung zu leisten. Hierzu gehören Maßnahmen wie der Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie die Abschaffung von Jubiläumsfeiertagen.

Im August diesen Jahres ist unter anderem die Filiale in Lemgo als eine von 74 Warenhäusern an eine ausländische Investorgruppe verkauft worden. Langfristig sind eine Trennung von Karstadt Quelle sowie eine Umstrukturierung der Verkaufsfläche und des Sortiments das Ziel, der Name „Karstadt“ darf jedoch bis 2009 genutzt werden. Der Standort Lemgo scheint somit vorerst gesichert, doch die Vorsitzende des Betriebsrates befürchtet auch personelle Konsequenzen: die Gefahr, dass Lemgoer Karstadtmitarbeiter ihre Stelle verlieren würden, sei noch nicht gebannt. Deswegen ist der Diskurs um den Kündigungsschutz ganz groß angesagt, ca. 70% der Mitarbeiter in Lemgo seien zudem gewerkschaftlich organisiert.

Die Lemgoer SPD sieht in der Übernahme der Karstadthäuser durch ausländische Investoren auch Chancen für den Standort Lemgo, das primäre Ziel ist jedoch der Erhalt der Arbeitsplätze sowie das Konzept des Kündigungsschutzes.

Welche Erwartungen der Betriebsrat an die kommunalen Politiker hat, waren in einer offenen Diskussion schnell thematisiert: Vier verkaufsoffene Sonntage sind von so wenigen Mitarbeitern einfach nicht tragbar. Diese wenig profitablen Maßnahmen sind eine zusätzliche Belastung der Angestellten und bieten keine wirkliche Kaufmotivation für die Kunden. Auch vor dem Hintergrund das trotz wöchentlich längeren Öffnungszeiten in den letzten Jahren das Personal in der Lemgoer Karstadtfiliale von 74 auf heute noch 38 Mitarbeiter reduziert wurde.

Insgesamt bestätigte sich die Position der SPD, dass der Standort Karstadt in Lemgo für die Innenstadt unverzichtbar ist. Der Verlust dieses Publikumsmagneten würde unweigerlich auch Auswirkungen auf den gesamten Lemgoer Einzelhandel in der Mittelstraße nach sich ziehen.

Für großes Unverständnis sorgte der Bericht über ein Gespräch der Betriebsratsvorsitzenden mit dem Bürgermeister Dr. Austermann im Vorfeld, in dem er seine persönliche Betroffenheit der Entwicklungen zum Ausdruck brachte, sich jedoch auch eine anderweitige Vermietung der Karstadtimmobilie vorstellen könne.

Dies halten die Mitglieder des Ortsverein in der heutigen Zeit der 1-Euroläden für völlig utopisch, schließlich sei es in Lemgo kaum möglich, Ladenlokale durchschnittlicher Größe zu vermieten. Die Aufgabe des Bürgermeisters in dieser Lage wäre, neben der Solidarisierung mit den Angestellten, eine deutliche Position für den Erhalt dieser Filiale zu beziehen.

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Hannelore Kraft
SPD.de