Mittwoch, 08.02.2006

Schuleinzugsbezirke beibehalten

Die SPD-Fraktion hat beantragt, in der nächsten Ratssitzung, eine Resolution des Rates der Alten Hansestadt Lemgo zum Erhalt der Schuleinzugsbezirke für Grundschulen zu verabschieden.

Nach Überlegungen und Entwürfen der Landesregierung sollen diese Schuleinzugsbezirke in Zukunft abgeschafft werden und alle Eltern die freie Wahl der Schule haben.
Da diese Planungen, von den meisten Experten und Schulpolitikern parteiübergreifend abgelehnt wird, möchte die SPD nun das die Stadt Lemgo, wie andere Städte und Gemeinden ebenfalls, ein Zeichen dagegen setzt.
Auch der Städte- und Gemeindebund hat bereits deutlich, mit Bürgermeistern aus allen politischen Lagern, gegen diese geplante Maßnahme Protest eingelegt.

Wortlaut der Antragsbegründung der SPD- Fraktion :

Beschluss:

Der Rat der Alten Hansestadt Lemgo spricht sich gegen die Absicht der Landesregierung aus, bestehende Grundschuleinzugsbezirke im Grundschulbereich abzuschaffen.

Begründung:
Die nachteiligen Folgen für die Kommune, die Schüler und die Eltern überwiegen eindeutig. Der Protest des Städte- und Gemeindebundes, der Bürgermeister, quer durch alle Parteien, anderen Trägern sowie den Elternschaften in unserem Bundesland ist vielerorts nachzulesen. Andere Kommunen in unserer Nachbarschaft haben schon längst Resolutionen verabschiedet und somit ein Zeichen gegen diese Überlegungen der Landesregierung gesetzt.

Für eine Stadt im ländlichen Umfeld wie Lemgo bedeutet die Umsetzung der beabsichtigten Maßnahme:
Durch einen Wegfall der Schuleinzugsbezirke wird es zu weiteren Konzentrationen von Kindern aus sozial schwierigen Milieu und/oder Kindern mit Migrationshintergrund an einzelnen Grundschulen kommen. Nicht nur die Integrationsarbeit wird darunter leiden , auch die Gefahr der Ghettoisierung ist nicht von der Hand zu weisen. Die Entstehung von sozialen Brennpunktschulen wäre vorgezeichnet.
Wer sich als Eltern dieser Entwicklung entziehen will, wird sein Kind in eine andere attraktivere Grundschule, vielleicht auch Nachbargemeinde, befördern. Eltern werden unter einen Leistungsdruck gesetzt, zum Wohle ihrer Kinder, die beste Schule zu finden und ggf. durch einen hohen finanziellen Eigenanteil den Kindern einen Schulbesuch an einer „Trendschule“ ermöglichen.
Diese Kosten werden sich aber nur besser gestellte Familien leisten können und dieses wird wiederum zu Ausgrenzungen führen, der Chancengleichheit zuwider laufen und einzelne Schulen zu „Grundschulen der Eliten“ ausbilden lassen.

Bei einem Wegfall der Schuleinzugsbezirke, wird der Stadt Lemgo für eine zukunftsorientierten Schulentwicklungsplanung jegliche Grundlage entzogen. Es wird keine Planungssicherheiten mehr geben. Kosten, die durch den Wegfall von dann unsicheren Planungsstudien eingespart werden, stehen Kosten für neue Um-/ Anbauten entgegen. Der entstehende höhere Verwaltungsaufwand, der die Steuerung der Elternwünsche erforderlich macht, wird ebenfalls Geld kosten.
Schulbezirke darf man nicht als bürokratisches Konstrukt sehen. Sie sind bei uns ein bewährtes Steuerungsinstrument zur Sicherung einer wohnungsnahen Grundschule nach dem Prinzip „Kurze Beine – Kurze Wege“.
Die vorhandenen Strukturen dürfen nicht ohne Not in Frage gestellt werden. Gerade im dörflichen Umfeld sind Grundschulen Identifikationsobjekte und Kristallisationspunkte sozialer und kultureller Bindungen.
Woher sollen bei den Schulen im dörflichen Umfeld in Zukunft die Schüler kommen, die eine Zwei- oder Dreizügigkeit benötigt?

Viele Lemgoer Grundschulen werden derzeit für die Umsetzung der Offenen Ganztagsgrundschule umgebaut und teilweise modernisiert. Durch den Wegfall der Schuleinzugsbezirke könnte sich dieser hohe finanzielle Aufwand ggf. als überflüssig erweisen, indem an einzelnen Schulen Räume ungenutzt bleiben, während an anderen Schulen angebaut werden müsste.

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Hannelore Kraft
SPD.de