Verdopplung der Kindergartenbeiträge ist ein Skandal!
Das Land NRW kürzt Lemgo die Zuschüsse für die Kindergärten um 210 000 €, noch zum Sommer will die Stadtverwaltung die Elternbeiträge darum drastisch anheben. Für junge Familien mit mittleren Jahreseinkommen von 49 000 € verdoppeln sich die Monatsbeiträge von 73 auf 141 €! Kindergarten-Träger kündigen Erzieherinnen mit Zeitverträgen bereits, um Kosten zu sparen. Findet die Stadt keine Alternativen, kommen zukünftig nur noch die Kinder der Besserverdienenden in die Tagesstätten.
Die SPD Fraktion besuchte den Kindergarten St. Johann und informierte sich bei der Leiterin Ilona Luttmann über die aktuelle Situation in der Alten Hansestadt: Derzeit gibt es einen deutlichen Trend Kinder zwischen 6 Monaten und 3 Jahren in kleinen, altersgemischten Gruppen unterzubringen. Junge Mütter werden von ihren Arbeitgebern zunehmend gedrängt nach der Entbindung rasch in die Firmen zurückzukehren. Viele Familien brauchen den Arbeitslohn einfach und die Mütter müssen an ihren alten Arbeitsplatz zurück. Auch bevor eine gute Stelle anderweitig vergeben wird.
So gibt es allein bei St. Johann für den Sommer 2006 eine Warteliste von 32 Bewerbern auf freie Plätze. Für alle Babies unter einem Jahr ist es schwer einen Platz zu finden, für Kleinkinder von ein oder zwei Jahren gar unmöglich. Mütter, die Kindererziehung plus berufliche Karriere unter einen Hut bringen wollen, haben es da sehr schwer.
Trotz einer Volksinitiative und hunderttausend Unterschriften zieht sich das Land aus der Finanzierung der Kindergärten zurück. Das trifft neben den Trägern natürlich auch alle Eltern der Kinder zwischen 3 und 6 Jahren. Gerade für die kirchlichen Träger, die auch von Kirchenaustritten arg gebeutelt sind, ist das Defizit kaum mehr aufzufangen.
PISA und der internationale Vergleich empfehlen Kinder frühzeitg und besser zu betreuen. Die demografische Entwicklung fordert mehr Kinderfreundlichkeit, damit die Geburtenrate von 1,3 endlich wieder ansteigt. Hier ist die Gemeinschaft gefordert solidarisch zu unterstützen, die zusätzliche Last allein auf junge Familien abzuwälzen ist zukunftsfeindlich. Das Nachbarland Frankreich hat da einen guten Weg gefunden, die Geburtenzahl wieder deutlich zu steigern.
Udo Golabeck: "Eine Verdopplung der Elternbeiträge für Durchschnittsverdiener ist skandalös, weil im höchsten Maße ungerecht und zukunftsfeindlich."

