Verkehr entzerren statt noch mehr Teer
Aus dem Bus schauten sich die Gäste der SPD neue Straßen und Radwege rings um Lemgo an, während Verkehrsminister Dr. Axel Horstmann am Mikrofon die Zukunftsplanung beschrieb.
Die Fortsetzung der Südumgehung, auch B 66 neu vom Rosengarten in Richtung Heiden anstelle der „alten B 66“ über Hörstmar steht aktuell zur Debatte. Die Lemgoer Nordumgehung vom Sportplatz Lemgo West bis zur Rintelner Straße geht voran. Mittlerweile hat das Bundesverkehrsministerium dem Lemgoer Ratsbeschluss entsprochen und verzichtet auf Dämme und Ilse-Brücke am Entruper Weg in Höhe der Steinmühle, die Umgehungsstraße durchs Ilsetal soll als Kreisel mit den Entruper Weg verbunden werden.
Für den weiteren Radwegebau an Landstraßen (auch von Bredaerbruch nach Brüntorf) stehen Gelder bei der Bezirksregierung bereit – die Kommunen müssen beantragen und ggf. eine Teilfinanzierung übernehmen. Klare Aussagen zur Fußgängerampel in Wahmbeckerheide und zum Zebrastreifen in Leese – „das sind Entscheidungskompetenzen der Kommunalpolitiker vor Ort, das Ministerium macht dazu keine Vorgaben“, so der Verkehrsminister.
Die strategische Verkehrsplanung in NRW beschrieb der Minister bei seiner Rede zum Abschluss im Kirchheider Krug: Verkehrsmanagement soll zukünftig Vorrang vor jedem weiteren Straßenbau haben. Ziel ist es durch intelligente Lösungen den Verkehr zu entzerren, weil für vorhandene Autos genügend Straßen vorhanden sind. Die Hälfte aller Autofahrten in der Stadt sind kürzer als 5 Kilometer – eine typische Strecke fürs Fahrrad oder den Bus. Während in OWL gerade mal 12 % aller Fahrten mit dem Fahrrad erfolgen, ist die „Fahrradquote“ im Münsterland drei mal so hoch. Eine Trendwende ist beim ÖPNV eingetreten. Neue Strecken für Bus und Bahn werden eröffnet, Stadtbuslinien ausgebaut, während vor 10 Jahren noch die Schließung von Bahnhöfen und Streckenstilllegungen an der Tagesordnung waren. Dass Bus und Bahn Zuwachs und Zukunft haben, hätte vor 10 Jahren niemand geglaubt. Zum Verkehrsmanagement gehören anstelle der Verkehrsinformationen im Radio über aktuelle Staus vielmehr seriöse Prognosen, wo Staus in zwei Stunden entstehen, welche Umleitung oder welches alternative Verkehrsmittel sich im Vorfeld anbietet. Eine Regulierungsbehörde wird auch bei der Bahn zukünftig Wettbewerb garantieren (wie bei Energie und Telecom) und deutlich mehr Fracht auf die Schiene verlagern.
Über den stark rückläufigen Autohandel informierte sich der Minister im Autohaus beim lippischen Kreis-Handwerksmeister Werner Pape. Neben der Ausdünnung des Händlernetzes werden die Auto-Schnelldienste für Radwechsel, Auspuff u.a. kritisch gesehen. Nehmen sie doch den Kfz-Werkstätten die Kunden, aber aufgrund der Konzernzugehörigkeit zahlen sie am Standort keine Gewerbesteuer.
Starke Anregungen für Lokalpolitiker über den Tellerrand zu schauen und zukünftig nicht nur über mehr Teer zu beschließen. Wir werden zusätzliche Linien der blauen Busse zu den anderen Ortsteilen Lemgo genauso vorantreiben, wie eine Fußgängerbedarfsampel für Wahmbeckerheide und einen Zebrastreifen in Leese an der Turnhalle beantragen! Es gibt keinen Grund die von Eltern für ihre Kinder geforderte Sicherheit zu verweigern.

