Donnerstag, 13.04.2006

Volles Haus für Behler

Vor knapp 70 Gästen referierte Gabriele Behler auf Einladung des Lemgoer SPD- Ortsvereins zum Thema Sozialdemokratische Bildungspolitik im Wandel der Zeit. Es waren nicht nur Parteimitglieder anwesend, sondern auch wieder eine große Anzahl von Gästen, denen das Thema am Herzen lag.

In seinen einleitenden Worten betonte der Vorsitzende Christian Woelk noch einmal die Brisanz der Bildungspolitik in der heutigen Zeit. Sei es auf Landesebene, wo sich über Grundschul- und Berufsschuleinzugsbezirke gestritten wird, Hochschulgebühren, keine Berücksichtigung des Elternwillens bei der Auswahl der weiterführenden Schulen für ihre Sprösslinge, Prognoseunterricht, den Ausbau der Ganztagsschulen, bis hin zu den Veränderungen im Rahmen der Föderalismusreform.
Viele Punkte die Gabriele Behler aber erst zum Schluss ansprach.

Sie begann ihre Ausführungen mit der Geschichte von Bildungspolitik in unserem Land. Den Anfängen des föderalen Systems, der Entkirchlichung der Bildung in den 50er Jahren als die Bildungspolitik von der engen Zusammenarbeit mit den Kirchen Abstand nahm. Auch durch die Vereinheitlichung der Bildung wurden viele unterschiedliche Schulformen aufgelöst die es in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts noch gab. Dies hatte auch eine Professionalisierung des Lehrerstandes zur Folge. Nicht mehr jeder scheinbar geeignete konnte unterrichten sondern im Laufe der Jahre konnte nur noch der Lehrer werden der ein Studium auf Lehramt absolvierte. Lehrpläne jedoch kamen erst sehr spät in die Schulen. Die Anforderungen und Leistungsbilder erhöhen sich nach Meinung von Gabriele Behler seit 120 Jahren und dies sei auch normal. Leider hat es in Deutschland erst zu spät eine Diskussion über eine Schulentwicklung gegeben. Wo Deutschland sich noch mit in einer Findungsphase befand und sich mit Ansätzen von Bildungspädagogik beschäftigt habe sei in anderen Ländern schon an Vergleichstudien gearbeitet worden. Somit sei das Abschneiden der deutschen Bildung bei PISA für sie nicht verwunderlich gewesen. Erst seit dem sei die längst überfällige Diskussion über Bildungsstandards vorangekommen.
Ein weiteren großen Teil nahm nach diesen allgemeinen geschichtlichen Abriss der Bildungspolitik auch der Rückblick auf die Sozialdemokratischen Anstrengungen und Ideen in diesem Bereich ein. Es waren Sozialdemokratische Grundgedanken die z.B. eine Gleichberechtigung aller Beteiligten im Bildungsprozess durchsetzten. Auch waren sie es, die Mädchen eine Bildungsgarantie in Deutschland gaben. Seit 1981 wurden 400 Gesamtschulen allein in NRW eingeführt. Aber die ehemalige Kultusministerin kritisierte auch besonders hier die Schulpolitik der SPD. Es gibt nach ihrer Meinung bis heute wieder zu wenig „Fordern und Fördern“.
Die Schulstrukturreform und das Gerangel darum hat Deutschland international zurückgeworfen. Es wird ihrer Meinung nach schwer werden dies wieder aufzuholen.
Nach ihrem Ausführungen zur allgemeinen Geschichte und der sozialdemokratischen Auswirkungen kam es am Ende ihres Vortrags auch zu Abschätzungen von Planungen der jetzigen Landesregierung zur Bildungspolitik.
Schule soll Leistungsgerechter werden und dies sei zu begrüßen. Das jedoch die Lehrer der Grundschulen entscheiden sollen in welche Schulform die Kinder wechseln kann nicht gut sein. Sie bezog sich auf wissenschaftliche Daten nach denen bis zu 40% der Lehrer das falsche Votum abgegeben hätten. Auch viele Lehrer wollten diese Verantwortung gar nicht alleine übernehmen. Diese Struktur ähnelt sehr stark einem Entwurf aus den 60er Jahren. Man sollte die Erfahrung anderer Länder nutzen, die mit solchen Leistungsvergleichen schon Erfahrungen gemacht haben und damit auch große Probleme hatten.
Die geplante Aufhebung der Schuleinzugsbezirke führt zwangsläufig zu Ghettoschulen vorrangig im ländlichen Bereichen.
Als eins der größten Probleme sieht sie jedoch u.a. die Wahl des Schulleiters für 8 Jahre durch die Schulkonferenz. Geradezu grotesk ist es ihrer Meinung nach das die Lehrer sich ihren eigenen Chef wählten und so die Unabhängigkeit der Schulleiter ausgehebelt würde.
Mit einem Ausblick auf die Zukunft von Bildungspolitik schloss sie ihre Ausführungen.
Nach einer ausgiebigen Aussprache in der noch viele Fragen von ihr fachkundig beantwortet wurden blieb dem Ortsverein nichts anderes mehr übrig als sich bei der Ehemaligen Ministerin für soviel Information zu bedanken.

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Hannelore Kraft
SPD.de