Freitag, 25.01.2008

Wallvorrang in Lemgo

Die geplante Wallbevorechtigung gegenüber stark befahrenen Straßen in Lemgo bringt zusätzliche Gefahrenmomente und erhöht die Unfallgefahr drastisch. Zu diesem Ergebnis kam die Fraktion nach Beratung mit drei Verkehrsexperten von der Verkehrswacht, einem Fahrlehrer und der Polizei.

Tagsüber ist der Verkehr auf der Leopoldstraße um ein Vielfaches größer als auf dem Wall. Die Menschen wissen das und überqueren die Straße vorsichtig. Am Abend, wenn Jogger und Freizeitradler unterwegs sind, geht aber der Straßenverkehr automatisch zurück, weil Büros, Geschäfte und Schulen geschlossen sind. Also haben die Wallnutzer auch so gut wie keine Wartezeiten an den Straßen. Diesen gewachsenen Verkehrsfluß und die Gewohnheiten bei Querungen umzukehren braucht enormen Aufwand an Pflaster, Schildern, Lampen u.a. Dabei entsteht trotzdem nur eine Scheinsicherheit. Außerdem müssen viele Menschen für wenige Menschen stehen bleiben und warten. Das zusätzliche Gefahrenpotential lehnt die SPD Fraktion, sowie alle zur Beratung herangezogenen Experten, rundherum ab. Weil Schwarz/Grün das Thema ohne große Debatte im Rahmen der überlagernden Haushaltsberatung durchpeitschen will, beantragt die SPD eine Sondersitzung des Verkehrsausschuss mit Verkehrsexperten der Polizei und anderer Verbände vor der Ratssitzung zum Haushalt Ende Februar.

Zu Ihrer Kenntnis fügen wir den Fragenkatalog bei, der bei dieser Ausschuss-Sitzung bearbeitet werden soll.
Fragenkatalog der SPD Fraktion zum Gutachten Wallvorrang zur Sondersitzung des Verkehrsausschuss im Februar 2008:

Zur Querung Wall/Leopoldstraße

  • Ist der subjektive Eindruck dass tagsüber drei mal so viele Verkehrsteilnehmer auf der Leopolstraße unterwegs sind wie auf dem Wall richtig und wird hier ein gesundes Verhältnis von Bevorrechtigung und Benachteiligung gewahrt?
  • Wann ist die letzte Verkehrszählung erfolgt und wie sind die Ergebnisse?
  • Sieht die Verwaltung den Zielkonflikt bei einer Wallbevorrechtigung, weil das Prinzip eine Straße so zu nutzen, wie sich sie durch die Historie und baulichen Gegebenheiten anbietet, durchbrochen wird?
  • Drängen sich bei solch einem Paradigmenwechsel zur Normalität Probleme für Verkehrserzieher und Kinder bei der Erziehung zum logischen Bewegen im Srraßenverkehr auf?
  • Wie beurteilt die Verwaltung das zusätzliche Gefahrenpotential und wenn es eins gibt, wie soll es minimiert werden?

Zur Querung Wall/Slavertor

  • Reicht die Anfahrsichtweite für Autofahrer aus der Echternstraße bis zur Querung aus, um diese als "sicher" einzustufen?
  • Radfahrer dürfen vom Entruper Weg kommend den Radweg nutzen - reicht die Sichbeziehung zum in der Biegung querenden Wall aus?
  • Wie sollen Gefahrenpotentiale hier abgebaut werden?

Zur Querung Wall/Regenstor

  • Zu welchen Zeiten ist die Ampel abgeschaltet? Soll sie zukünftig 24 Stunden in Betrieb sein?
  • Wie wirkt sich eine Ampelabschaltung in Abhängigkeit der Nutzerzahl ab 18.30 Uhr aus?
  • Wie lang ist die Grünphase für den Wallbenutzer und wie oft können aufeinanderfolgende Nutzer "grün am Stück“für den Wall nachfordern?
  • Wie lang ist die maximale Wartezeit für Kfz, Radfahrer und Fußgänger auf der Regenstorstraße bei mehrfach grün auf dem Wall?

Zur Querung Wall/Ostertor

  • Ist es nach den einschlägigen Gesetzen und Richtlinien zulässig an einem Kreisel unterschiedliche Fußgängerübergänge (mal mit und mal ohne Zebrastreifen) an den verschiedenen Zu- und Ausfahrten zu installieren?
  • Wie lang wird der zu erwartetende Rückstau in die Papenstraße hinter den Stadtbussen bei Rückbau zu einer Spur? Wie hoch ist der zusätzliche CO2 Ausstoß und die Feinstaubbelastung dieser selbst veranlassten Wartezeiten?
  • Wie soll die Anbindung Ostertor/Neue Straße mit den extra angelegten Teerstreifen für Radfahrer u.a. erfolgen?
  • Sieht die Verwaltung in den neuen, ruhigen Innenstadtstraßen mit Teerstreifen (Rembken,Neue Straße, Hinter dem Heiligen Geist, Molenstraße bzw. Fahrradstraße Franz-Liszt-Straße u.a.) attraktive Alternative für Fahrradfahrer anstelle der Zusammenführung auf den Wällen?

Zu allen Querungen und der Maßnahme insgesamt

  • Ist es richtig, dass es neben dem ADAC auch von der Bezirksregierung Anregungen/Förderungen zum Abbau des Schilderwaldes gibt?
  • Wie wirkt sich die Propagierung eines uneingeschränkten Vorrangs für Fahrradfahrer auf den Wällen auf deren Verhalten gegenüber Fußgängern auf den Wällen aus?
  • Wann wird die aktuelle Anzahl von Verkehrsteilnehmer (Auto, Rad, Fußgänger) an den geplanten Wallkreuzungen unterteilt nach a. Wallanlage und b. kreuzender Straße in zwei Zeitabschnitten tagsüber und am Abend ermittelt? Oder sind diese Zahlen im Vorfeld ermittelt worden? Wenn Ja, wann?
  • Wie bewertet die Verwaltung die Fachlichkeit eines Gutachters, der eine Wallbevorrechtigung an der Breiten Straße vorschlägt, obwohl jeder Laie und Kommunalpolitiker den Zielkonflikt mit dem Querverkehr sofort erkennt?
  • Sind die Erfahrungen mit vergleichbaren Projekten aus anderen Städten eingeflossen (z.B. aus Detmold, wo die alte Straßenbahntrasse als "Birkendamm" quer durch die südlichen Stadtteile nach kurzer Zeit wegen Unfallträchtigkeit zurückgebaut werden musste)?
  • Weitere Detailfragen werden in der Sondersitzung gestellt.

Das Photo zeigt die SPD Fraktion beim Wallbegang am Donnerstagabend.

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Hannelore Kraft
SPD.de